Luthers Schmähungen des Dr. Eck als "Schwein von Ingolstadt" und "Dr. Sau"

Es waren die Jahre der Reformation, Glaubensdebatten zeichneten das geistige Leben. Ingolstadt schickte den Theologieprofessor Johannes Eck ins Treffen. Noch zwei Wochen vor dem Thesenanschlag in Wittenberg am 31. Oktober 1517 hatte er mit Luther in freundschaftlicher Korrespondenz gestanden. Jetzt aber fühlte sich Eck von Luthers Ablassthesen provoziert und antwortete mit kritischen Anmerkungen, die der Angegriffene scharf zurückwies. Die Kontroverse über Buße und Ablass, Gnade und freien Willen führte schließlich im Juli 1519 zu einer direkten Konfrontation, zur berühmten Disputation in Leipzig, bei der Eck Luther in der Frage nach dem göttlichen Recht des Papsttums und der Autorität der allgemeinen Konzilien in die Enge trieb und ihm den Satz abrang: »Auch Konzile können irren.«

Der Ingolstädter Gelehrte war vermutlich der Erste, der erkannte, dass es Luther um das Ganze der Kirche ging, und entwickelte sich zu dessen schärfstem Gegner und Verfolger. Im Frühjahr 1520 reiste er nach Rom. Hier war er maßgeblich an der Abfassung der Bannandrohungsbulle "Exsurge Domine" beteiligt. Er brachte das Dokument über die Alpen und ließ es bei Andreas Lutz in dessen Ingolstädter Offizin drucken.

 

Fortan war das persönliche Verhältnis etwas getrübt. Luther beschimpfte Eck als ein aus Lügen und Irrtümern zusammengesetztes Monstrum, später als »Schwein aus Ingolstadt« oder schlicht als »Dr. Sau« – Liebenswürdigkeiten, die von der Gegenseite in gleicher Tonlage erwidert wurden. Zudem versuchte der Reformator, die päpstliche Bulle in seiner Schrift "Von den Eckischen Bullen und Lügen" als Ecks Machwerk zu entlarven.

Dieser wütete unverdrossen weiter. Ecks Streitschrift "Enchiridion", in der er 1525 alle Argumente adversus Lutherum zusammenfasste, wurde bis 1600 an die fünfzigmal aufgelegt und war richtungsweisend für alle Kontroverstheologen.

Auszug aus:

"Ingolstadt - eine Universität wird ruiniert", Dr. Gerd Treffer, 2006

 

 

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